![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
|
![]() |
||||||||
|
Aktiv im Passivhaus – Heidelberger Grundschüler turnen in hoch energieeffizienter Turnhalle Energiespar-Pädagogik ist en vogue: Energiedetektive suchen in Grundschulen nach Energieschlupflöchern oder lernen, wie man Thermostatventile richtig einstellt. Die Schüler der Kurpfalzschule in Kirchheim aber erleben, wie es ist, wenn man gar keine Heizung mehr braucht: Ihre Turnhalle ist ein Passivhaus. Als das Gutachten vom renommierten Darmstädter Passivhausinstitut im Heidelberger Umweltamt vorlag, waren alle erst mal überrascht: Obwohl die Südseite der geplanten Turnhalle im Winter im Schatten des Schulgebäudes liegen würde, könne sie ohne Mehrkosten als Passivhaus gebaut werden. Der genehmigte Finanzrahmen von 2,4 Millionen Euro würde reichen. Die für Passivhäuser üblichen Komponenten – eine ordentlich gedämmte und dichte Gebäudehülle gepaart mit einer energieeffizienten Lüftungsanlage – hielten die einmal erzeugte Wärme derart gut zurück, dass man mit der Energie von 1,5 Litern Heizöl pro Quadratmeter durch den Winter kommen würde. Gut gedämmt ist halb gewonnen Nun turnen die 312 Grundschüler seit Mai 2004 in Baden-Württembergs erster Passivhaus-Turnhalle. Die nächsten stehen weit weg zum Beispiel in Unterschleißheim bei München und Laatzen bei Hannover. Die schattige Südseite war nicht die einzige Herausforderung für Bauherr und Architekt. Die Turnhalle sollte möglichst wenig Fläche einnehmen, damit der Schulhof nicht zu klein geriet. Zudem wollte man an der Straßenseite die historisch gewachsene Traufhöhe einhalten. Also entschloss man sich, die gesamte Halle so weit in den Untergrund zu bauen, dass die Umkleideräume unter dem Schulhof liegen würden. Dadurch wurde Schulhoffläche gespart, aber für diesen Teil des Gebäudes würde es keine passiven Solargewinne geben. Pfiffige Lösungen bei der Gebäudetechnik machen dieses Handicap aber wieder wett. Zum einen konnte man den geplanten Gaskessel samt Gasanschluss, Heizkörpern, Versorgungsleitungen einfach weg lassen. Die geringe Menge an Restenergie übernimmt der Gas-Brennwertkessel, der im Hauptgebäude steht, und eine Solarthermieanlage auf dem Hallendach sorgt zusätzlich für warmes Wasser. Intelligente Lüftung sorgt für frische Luft Zum anderen werden die Umkleide- und Duschräume beim Lüftungskonzept wie ein einziger Raum behandelt: Die Luft strömt in die Umkleideräume ein und wird in den Duschräumen abgesaugt. Investition und Unterhaltung sind dadurch günstiger. Zudem sorgt eine intelligente Steuerung dafür, dass die Lüftung nur läuft, wenn sie gebraucht wird. Im Umkleidebereich springt sie an, wenn viel geduscht wird, denn hier regelt der Feuchtigkeitsanteil der Luft die Anlage. In der Halle ist sie CO2-gesteuert: Je mehr Menschen in der Halle sind, desto stärker wird gelüftet. Computersimulation bringt Verbesserungspotenziale ans Licht Wie bei vielen Passivhauskonzepten ist nicht die Wärmeversorgung im Winter der Knackpunkt des Konzepts. Der Hitzeschutz im Sommer ist viel bedeutsamer und wird bei der Planung häufig unterschätzt. Bei der Turnhalle für die Kirchbergschule brachte eine zusätzliche Tageslichtsimulation des Passivhausinstitutes noch Verbesserungspotenziale ans Licht. Man rückte daraufhin das Vordach ein Stück von der Fassade ab und verwendete ein undurchsichtiges Material anstelle von Glas für das Dach. Das Tageslicht fällt nun gleichmäßiger in die Halle, im Winter muss weniger geheizt werden und im Sommer wird es nicht so schnell heiß in der Halle. Genaue Planung senkt den Verbrauch Aber nicht nur in der optimalen Nutzung des Tageslichts steckt eine gehörige Portion Planungsarbeit. Alle Übergänge, die frei von Wärmebrücken gebaut werden sollten, wurden zuvor genau durchdacht und möglichst einfach konstruiert. Auf der Baustelle konnten die Handwerker dadurch schnell erfassen, worauf sie achten mussten und zudem konnte man die kritischen Stellen gut kontrollieren. Eine effiziente Qualitätssicherung fängt eben lange vor dem ersten Spatenstich an. Die neue Turnhalle verbraucht nur etwa ein Viertel der Heizenergie, die nach dem eigentlich vorgesehenen Niedrigenergiestandard benötigt worden wäre. Bei gleichen Investitionskosten spart die Stadt Heidelberg also Jahr für Jahr das Geld für die 4.000 Kubikmeter Erdgas ein, die jetzt nicht gebraucht werden. Und sie erspart zudem der Umwelt rund 9.000 Kilogramm Kohlendioxid. Adresse des Gebäudes Kurpfalzschule Ansprechperson Ralf Bermich
|
|